Wissenschaftliche Kommunikation zwischen Universalismus und nationaler Exklusivität

Max Haller

Abstract


Der Beitrag geht aus von der Merton’schen These, dass ungehinderte internationale Kommunikation ein entscheidendes Element der modernen Wissenschaft darstellt. Er untersucht die Frage, inwieweit eine solche Kommunikation in der Soziologie heute existiert. An Beispielen wird dargestellt, dass eine solche Kommunikation bei vielen bahnbrechenden Sozialwissenschaftlern zu Beginn der Neuzeit tatsächlich existierte. Sodann werden drei Faktoren benannt, welche einer universalen Kommunikation in den Sozialwissenschaften heute im Wege stehen: sprachliche Barrieren; die besondere Größe einer nationalen soziologischen Gemeinschaft; sowie Status- und Einflussinteressen herausragender nationaler Soziologen und ihrer Schulen. Diese Thesen werden überprüft durch empirische Daten unterschiedlicher Art: die Häufigkeit der Teilnahme von Soziologen aus kleinen und großen Ländern an internationalen Konferenzen; Zitationen von Artikeln in anderen Sprachen in jeweils einer deutschen, französischen, englischen und US-amerikanischen soziologischen Zeitschrift; sowie durch eine Analyse der Referenzen und inhaltlichen Aussagen in drei Hauptwerken dreier zeitgenössischer Soziologen (U. Beck, P. Bourdieu und J. Coleman).

The article starts from the thesis of Merton that unhindered communication is a central normative criterion of modern science. It investigates if such a communication does exist in present-day sociology. Many outstanding social philosophers and scientists at the beginning of the modern area did in fact cultivate such a communication. Three factors are specified which may inhibit it in the present-day social sciences: linguistic barriers; the size of a national sociological community; and interests related to status and influence of outstanding sociologists and their “schools”. Several kinds of data are used to investigate the relevance of these factors: the participation of sociologists in international congresses; the quotation of foreign-language publications in sociological journals in France, Germany, Italy, United Kingdom and the USA; and a substantive analysis of the references and some central assumptions in works of three major present-day sociologists (U. Beck, P. Bourdieu and J. Coleman). All these analyses show that the three factors inhibiting unhindered international scientific communication may really be at work.

 

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Max Haller, geb. 1947 in Sterzing, ist em. Prof. für Soziologie der Universität Graz und Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seine Forschungsbereiche sind soziale Ungleichheit, Wertwandel im internationalen Vergleich, europäische Integration, soziologische Theorie. Er publizierte bzw. edierte über 30 Bücher und publizierte zahlreiche Afsätze in englischen, deutschen und italienischen Fachzeitschriften.

 

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DOI 10.15203/3122-56-7-05



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