Österreichische Soziologie im globalen Wettbewerb – ein transatlantischer Blick zurück und in die Zukunft

Karin Knorr-Cetina

Abstract


Der Beitrag analysiert die Besonderheiten unterschiedlicher soziologischer Kulturen in Österreich, Deutschland und in den USA aus der Perspektive einer quasi teilnehmenden Beobachterin
auf Grundlage einer internationalen langjährigen wissenschaftlichen Karriere in allen drei Ländern. Ein Spezifikum für Österreich ist die große Bedeutung politischer Parteien oder allgemeiner einer Beziehungsgesellschaft für das „wissenschaftliche Belohnungssystem“. Die Landesgröße Deutschlands ließ einen spezifisch deutschen Diskurskontext entstehen. Die universitäre Organisation lässt sich als Status-Gremienuniversität beschreiben, deren Regulierung mit großem normativ-bürokratischem Aufwand verbunden ist. In den USA herrscht demgegenüber ein kompetitives Humboldt-Modell vor, basierend auf einem Wettstreit am Markt um die besten Studierenden und einer Individualisierung im Wettbewerb um Leistungsanerkennung.

Based on the background of long-term professional personal experiences the chapter analyzes the peculiarities of the different sociological cultures in Austria, Germany, and the USA. Characteristic for Austria is a significant influence of political parties, or, more generally, of social networks for the scientific reward system. The size of the state of Germany allowed for the establishment of a specific self-sufficient German sociological discourse. Universities are organized on the basis of status groups. Its regulations require considerable regulative-bureaucratic efforts. A competitive Humboldt-model is characteristic for universities in the USA, based on market competition for the best students and individualization of the recognition of achievements.

 

________________________________

Karin Knorr-Cetina ist seit ihrer Emeritierung in Konstanz 2010 Professorin für Soziologie an der University of Chicago und leitet seit 2015 das Institut für Soziologie. Nach ihrem Doktorat 1971 in Kulturanthropologie mit dem Nebenfach Soziologie an der Universität Wien schloss sie mit einem Post-Doc-Diplom in Soziologie am Institut für Höhere Studien in Wien 1972, wo sie im Anschluss als Assistenz-Professorin bis 1978 arbeitete. Auch der Universität Wien blieb sie bis 1976 als Lektorin am Institut für Soziologie treu. Schon 1976 bis 1977 begann sie ihre intensiven transatlantischen Beziehungen als Ford-Fellow an der University of California in Berkeley. Längere USA Forschungsaufenthalte hatte Knorr-Cetina dann von 1979 bis 1981 als Research (Max Kade) Fellow und Visiting Scientist am Institut für Soziologie der University of Pennsylvania und 1981 bis 1982 als Visiting Associate Professor am Center for the Study of Science and Society der Virginia Polytechnic Institute und State University. 1981 habilitierte Karin Knorr-Cetina in Soziologie an der Universität Bielefeld, an der sie von 1981 bis 1982 als Adjunct Professorin arbeitete. 1982 und 1983 wechselte sie wieder in die USA als Professorin of Sociology and Science in Society an die Wesleyan University in Connecticut. 1983 folgte schließlich der Ruf zurück an die Universität in Bielefeld als Professorin für Soziologie. In der Zeit bis 2001 kehrte Knorr-Cetina zwei Mal in die USA zurück, um ihre transatlantischen Verbindungen aufrechtzuerhalten und zu vertiefen: 1992 bis 1993 als Mitglied der School of Social Science am Institute for Advanced Study in Princeton und 1997 bis 1998 als Visiting Scholar am Institut für Soziologie an der Princeton University. 2001 wechselte Karin Knorr-Cetina als Professorin für Soziologie an die Universität Konstanz. In den darauffolgenden Jahren verbrachte sie wiederum viel Forschungszeit in den USA und war von 2008 bis 2009 Mitglied des Centers for Advanced Studies in the Behavioral Sciences in Stanford und von 2004 bis 2010 Visiting Professor an der University of Chicago.

 

________________________________

DOI 10.15203/3122-56-7-04


Volltext:

PDF

Refbacks

  • Im Moment gibt es keine Refbacks


Copyright (c) 2016 SOZIOLOGIE IN ÖSTERREICH - INTERNATIONALE VERFLECHTUNGEN (Hg. Helmut Staubmann)