Eurozentrismus in Norbert Elias' Zivilisationstheorie

Boike Rehbein

Abstract


Norbert Elias hat eine Theorie der Zivilisation vorgelegt, die als eurozentrisch kritisiert worden ist, weil sie außereuropäische Gesellschaften empirisch vernachlässigt und normative Kriterien der europäischen Kultur universalisiert. Eine genauere Untersuchung der Kritik zeigt, dass der Eurozentrismus auf einer objektivistischen Wissenschaftstheorie beruht. Wenn Elias’ Figurationsansatz der Zivilisationstheorie von der objektivistischen Wissenschaftstheorie und damit von seinem Eurozentrismus befreit wird, eröffnet er jedoch die Möglichkeit, eine weiterführende Theorie der Sozialwissenschaften zu entwickeln.

The theory of the civilizing process by Norbert Elias has been criticized as Eurocentric, as it empirically disregards non-European societies and applies European criteria in assessing the state of civilization. A closer study of the criticism reveals that Elias’ Eurocentrism is rooted in an objectivistic theory of science. The concept of figuration, which Elias applies in his theory of the civilizing process, should be decoupled from this theory of science and the associated Eurocentrism in order to construct a theory of the social sciences that is viable in the twenty-first century.

 

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Boike Rehbein ist Universitätsprofessor für Gesellschaft und Transformation in Asien und Afrika an der Humboldt-Universität für Berlin. Promotion 1996 in Philosophie, Habilitation 2004 in Soziologie, 2004 bis 2009 Beschäftigung an der Universität Freiburg, seit 2009 in Berlin. Arbeitsschwerpunkte: Globalisierung, Sozialtheorie, Ungleichheit, Südostasien. Aktuelle Buchveröffentlichungen: Ungleichheit in kapitalistischen Gesellschaften (mit Jessé Souza), Beltz Juventa 2014; Reproduktion sozialer Ungleichheit in Deutschland (mit 15 AutorInnen), UVK 2015.

 

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DOI 10.15203/3122-56-7-12



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