Der Capability Ansatz in der Alleinerziehendenforschung

Martina Beham-Rabanser, Ulrike Zartler

Abstract


Alleinerziehende Mütter sind einem erhöhten Einkommensarmutsrisiko ausgesetzt, und ihr Alltag ist u.a. durch knappe zeitliche Ressourcen geprägt. Einseitig auf Einkommensarmut fokussierte Studien greifen zu kurz, um die Lebensbedingungen von Alleinerziehenden adäquat zu fassen. Entsprechend wird in der Armutsforschung zur Erfassung von Lebensbedingungen verstärkt auf multidimensionale Konzepte zurückgegriffen, die sich unter anderem auf die konzeptionellen Grundlagen des Capability Ansatzes berufen. Ziel dieses Beitrages ist es, zum einen den Stellenwert des Capability Ansatzes in der Alleinerziehendenforschung zu analysieren. Auf Basis einer SSCI Analyse (2000-2015) zeigen wir, dass der Capability Approach bislang explizit keine Anwendung in der Alleinerziehendenforschung findet, einzelne Aspekte jedoch implizit berücksichtigt werden. Zum anderen wird diskutiert, inwiefern eine Erweiterung des Capability Ansatzes durch das Sense of Coherence-Konzept von Antonovsky (1997) Potential für die Alleinerziehendenforschung bietet. Die Analyse von Fallbeispielen aus einer qualitativen Befragung alleinerziehender Frauen illustriert, dass eine Berücksichtigung des Sense of Coherence (Kohärenzsinn) einen Beitrag zur Frage leisten kann, wie es bei ähnlich gelagerten Verwirklichungschancen zu Unterschieden bezüglich der wahrgenommenen Handlungsmöglichkeiten kommt. Das hier entwickelte integrierte Konzept hat somit Potential für eine – verstärkte – Anwendung des Capability Ansatzes in der Alleinerziehendenforschung.

Single mothers face a higher risk of income poverty, and their everyday lives are, among other factors, characterized by scarce time resources. Thus, studies with a sole focus on income poverty do not embrace adequately single mothers’ living circumstances. In an attempt to comprehensively capture living circumstances, poverty research increasingly uses multidimensional concepts that are often based on the capability approach. Consequently, the aim of this article is twofold: First, we performed an SSCI analysis (2000-2015) and show that the capability approach so far has rarely been explicitly used in research on single parents, although particular aspects have been considered implicitly. Second, we develop an extension of the capability approach by using the sense of coherence concept (Antonovsky 1997). The analysis of qualitative case studies with single mothers illustrates that the consideration of the sense of coherence concept makes valuable contributions as concerns the question of how similar capability sets may yield different perceptions of scopes for action. We develop an integrated concept that has the potential for an enhanced application of the capability approach in single-parent research.

 

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Martina Beham-Rabanser, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie an der JKU Linz. Zu ihren aktuellen Forschungsschwerpunkten gehören Analysen zu den Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf Familie, Lebens- und Familienbeziehungen heute sowie Familie als Bildungspartnerin.

Ulrike Zartler ist Assistenzprofessorin für Familiensoziologie am Institut für Soziologie der Universität Wien. Ihre Forschungsarbeiten in der Kindheits- und Familienforschung umfassen die Themenbereiche Scheidung, Nachscheidungsfamilien, kindliche Partizipation sowie die soziologische Analyse des Kindschafts- und Familienrechts. Habilitation 2014 zum Thema Transitionsprozesse in Nachscheidungsfamilien.

 

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DOI 10.15203/3122-56-25



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