Ethnische Differenzierung und soziale Ungleichheit in der Südtiroler Gesellschaft

Eike Pokriefke, Hermann Atz

Abstract


Kennzeichnend für die Südtiroler Gesellschaft ist das Zusammenleben von drei autochthonen ethnische Gruppen, wobei die deutsche Sprachgruppe eine „fragile majority“ (McAndrew 2013) darstellt - eine Mehrheit in der Region, aber eine Minderheit im Staat. Später als in den nördlichen Nachbarregionen ist in den vergangenen beiden Jahrzehnten ein beträchtlicher Anteil Migrantinnen und Migranten aus allen Teilen der Welt hinzugekommen, diese Gruppe macht heute etwa neun Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Der Beitrag stellt einen theoretischen und methodischen Zugriff vor, mit dem ethnische Differenzierung und soziale Ungleichheit in der Südtiroler Gesellschaft aus einer interdisziplinären Perspektive untersucht werden.
In einer repräsentativen Telefonbefragung der Südtiroler Bevölkerung (CATI; n=1.727 Personen bzw. 1.228 Haushalte) wurden international entwickelte Instrumente (EseC 2008, ISCO 2008) aus klassischen Ansätzen der Sozialstrukturforschung (Blau 1987, Haller 2008) ebenso eingesetzt wie neuere Ansätze der Lebensstilforschung (Otte 2008). Der vorliegende Artikel untersucht anhand der Ergebnisse dieser Bevölkerungsumfrage die Verschränkung der Dimensionen Ethnizität und soziale Schichtung.

The South Tyrolean (autonomous province of Italy) society is constituted by three ehnolinguistic groups: The German speaking population being a “fragile majority” (McAndrew 2013) – a majority in the region but a minority in the nation state. Later than in its northern neighbouring regions, South Tyrol has recently seen consistent growth of the migrant population, currently contributing nine percent to total population. The aim of the study at hand is to analyse social inequalities arising from ethnic differentiation and social stratification in this unique relation between new and old minorities. The data base results from a quantitative telephone survey (CATI) with a representative sample of 1.727 respondents, respectively 1.228 households. Classical approaches to social structure (Blau 1987, Haller 2008) are combined with a recent lifestyle approach (Otte 2008). This is operationalised in the implementation of international validated instruments, like the European Socio-economic Classification (ESeC, based on the ISCO-08). This article explores the correlation between the two fundamental dimensions ethnicity an social stratification.

 

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Eike Pokriefke studierte Internationale Entwicklung und Soziologie an der Universität Wien. Seine Masterarbeit beschäftigte sich mit dem Gesundheitsverhalten älterer Migrantinnen und Migranten im ländlichen Raum. Neben dem Studium war Pokriefke wissenschaftlicher Mitarbeiter bei FACTUM OG (Mobilitätsforschung). Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Michael-Gaismair-Gesellschaft Bozen und des Sozialforschungsinstitutes Apollis in Bozen führte Pokriefke das Konsortialprojekt „Ethnische Differenzierung und soziale Schichtung in der Südtiroler Gesellschaft“ durch.

Hermann Atz studierte Physik an der Universität Innsbruck, Politikwissenschaft an der Universität Wien und am Institut für Höhere Studien. Er ist Gesellschafter und wissenschaftlicher Leiter des Sozialforschungsinstituts Apollis in Bozen, das er 1993 gemeinsam mit Helmuth Pörnbacher gründete. Daneben wirkt er seit vielen Jahren als Lehrbeauftragter für Statistik und Methodik an der Freien Universität Bozen und an der Universität Innsbruck. Arbeitsschwerpunkte: Umfrageforschung, Bildung, Sozialwesen, Regionalentwicklung, Wahl- und Policy-Forschung.

 

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DOI 10.15203/3122-56-26



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