Imperative der Eigenverantwortlichkeit in biographischen Darstellungen

Gerhard Jost

Abstract


Kollektive Krisen und neoliberale Tendenzen in wohlfahrtsstaatlichen Systemen haben zur Erosion der um den Erwerbsverlauf organisierten Normalbiographie geführt. Dementsprechend wird das Auftreten von flexiblen Identitäten oder „Patchwork-Biographien“ postuliert. Im Zentrum des Beitrags steht die Frage, wie sich damit verbundene Imperative der Eigenverantwortlichkeit in biographischen Darstellungen, insbesondere in Biographien von Social Entrepreneurs niederschlagen. Zunächst wird das Konstrukt der Eigenverantwortlichkeit expliziert und dabei auf die Konzepte des Arbeitskraftunternehmers (Pongratz/Voß) und des Unternehmerischen Selbst (Bröckling) Bezug genommen. Social Entrepreneurs vermitteln sich sehr über gesellschaftliche Verantwortung: Eigenverantwortung konvergiert mit gesellschaftlicher Verantwortung, sei es in sozialer oder ökologischer Hinsicht. Um jedoch genauere Erkenntnisse in diesem Bereich zu erhalten, wird es als erstrebenswert erachtet, nicht nur Ideal-, sondern empirisch entwickelte Realtypen zu entwickeln.

Collective crises and neoliberal trends in welfare systems have led to an erosion of the normal biography which is organized around the vocational career. Accordingly, the occurrence of flexible identities or “patchwork biographies” is postulated. This article focuses the question how imperatives of self responsibility are represented in biographies, particularly in those of social entrepreneurs. First, the construct of self-responsibility is discussed, thereby (Bröckling) referring to the concepts of the labour entrepreneur (Pongratz / Voss) and the entrepreneurial self (Bröckling). Social entrepreneurs are set in a stronger relation to social responsibility, so self-responsibility converges with either social or environmental ones. To obtain more detailed findings in this area, it is considered desirable to develop not only ideal-, but data-based real-types.

 

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Gerhard Jost, geb. 1959, Studium der Soziologie, Dissertation 1987, bis 1990 freiberuflicher Sozialwissenschafter (u.a. im Auftrag der Arbeiterkammer Wien und des ÖAKT), seit 1990: wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie und empirische Sozialforschung der WU Wien, 2005: Habilitation. Forschungsschwerpunkte: Qualitative Sozialforschung, Biographie und Identität, kritische Lebensereignisse, sozialer Wandel.

 

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DOI 10.15203/3122-56-7-08



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