Nationale Orientierung nach 1945 und Nationalsymbolik am Beispiel von Kaprun

Stefanie Wörer

Abstract


Nationale Orientierung und Nationalsymbolik am Beispiel von Kaprun 

„Nachdem dem Volk die Decke auf den Kopf gefallen war, musste als erstes der Dachstuhl erneuert werden [...] mit dem Dachstuhl war nämlich die ‚emotionale Heimat’ der Bevölkerungsmehrheit weggebrochen.“[1]

 

Dieses Zitat beschreibt die Situation in Österreich nach 1945 sehr treffend: Das Land war nach Jahren der Fremdherrschaft durch das nationalsozialistische Deutschland auf sich alleine gestellt und bestrebt, sich ein neues „Haus“ zu bauen. Dieses sollte den Menschen nach Erfahrungen der Zerstörung, der Verfolgung und der Flucht eine neue Sicherheit und vor allem ein neues Selbstwertgefühl verleihen.

 

Mit vorliegendem Aufsatz wird versucht, die Bestrebungen der österreichischen Nachkriegsgesellschaft und –Politik hin zu einem Österreich-Gefühl, sowie die Suche nach einer eigenständigen Identität nachzuzeichnen. Dabei ist die Frage nach den in diesem Zusammenhang vermittelten Werten und Tugenden von zentraler Bedeutung: Woran orientiert sich das „neue Österreichbewusstsein“? Vor diesem Hintergrund wird auch der Einfluss des wirtschaftlichen Wiederaufbaus nach 1945 auf das neue Österreichgefühl, sowie die Rolle des Tauernkraftwerkes Kaprun in dieser Sache, in Betracht genommen. Hierbei wird der These gefolgt, dass das gemeinsame Wiederaufbauen nach 1945 einerseits an zentrale Tugenden – wie etwa Fleiß und Gemeinschaftssinn – gebunden war und andererseits das Bewusstsein einer nationalen Gemeinschaft maßgeblich förderte. Das in der Nachkriegszeit in Angriff genommene „Programm“ der Herstellung einer nationalen Identität stellte die Wirtschaft als treibenden Motor der nationalen Einigung in den Vordergrund. In diesem Kontext gewinnt vor allem das Tauernkraftwerk in Kaprun an Bedeutung, weil es in der Nachkriegszeit den Status eines gewichtigen „Österreich-Symbols“ erlangte. Dabei schien die Tatsache, dass der Bau bereits unter NS-Herrschaft begonnen war und für Kriegszwecke benützt wurde, kaum eine Rolle zu spielen.


[1] Zitat: Erika Thurner, Nationale Identität und Geschlecht in Österreich nach 1945, Innsbruck-Wien-München 2000, S. 39.


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