Austrian Corporatism – erosion or resilience?

Susanne Pernicka, Günter Hefler

Abstract

Ungeachtet der fortdauernden Liberalisierungs- und Desorganisierungsprozesse in allen kapitalistischen Ökonomien weist der österreichische Korporatismus eine erstaunliche Resilienz über  verschiedene institutionelle Felder auf. Der Aufsatz fokussiert auf die Rolle von sozialen Akteuren in der (Re-)Produktion oder dem Wandel von institutionellen Strukturen und Praktiken des österreichischen Korporatismus. In den vier untersuchten Feldern, d.h. der Wirtschafts- und Sozialpolitik, kollektiver Lohnverhandlungen, der Arbeitsbeziehungen auf Betriebsebene und der beruflichen Aus- und Weiterbildung, haben kollektive Akteure nicht zu institutioneller Erosion, sondern zu einer institutionellen Konversion von korporatistischen Institutionen in Richtung neuer Ziele in einem internationalen Kontext beigetragen. Während der Regierungskoalition der konservativen Volkspartei und der rechtsstehenden, populistischen Freiheitlichen Partei (2000-2006) wurde allerdings deutlich, dass das normative Bekenntnis zur Sozialpartnerschaft dann an seine Grenzen stößt, wenn sich das Machtgleichgewicht zugunsten einer stärker neoliberalen Position verschiebt. Nicht-marktbestimmte Institutionen stellen daher eher eine ‚geliehene Stabilität“ zur Verfügung, als eine robuste Basis für eine Resilienz des Austro-Korporatismus. Gewerkschaften sind im Besonderen gefordert ihre Aufmerksamkeit auf ihre Mitglieder zu richten und neue Wege zu finden, wie sie ihre Rolle als Sozialpartnerschaftsorganisationen und soziale Bewegungen kombinieren können, um die nichtmarktbestimmten Institutionen zu bewahren.

Schlagworte

Österreich, kollektive Lohnverhandlungen, berufliche Erstausbildung und Weiterbildung, Politikgestaltung, Sozialpartnerschaft, Varianten des Kapitalismus

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