Emotion und Revolution. Spurenlese zu einer Theorie der affektiven Grundlagen politischer Ordnungen

Oliver W. Lembcke, Florian Weber

Abstract

In den großen zeitgenössischen Revolutionstheorien kommt Emotionen bei der revolutionären Etablierung neuer politischer Ordnungen keine gewichtige Funktion zu: Aus strukturalistischer Warte spielen die Intentionen und Handlungen der AkteurInnen eine vernachlässigbare Rolle, wenn es um fundamentalen sozialen Wandel geht. Kulturalistische Ansätze betonen zwar die Bedeutung der revolutionären Ideologie, degradieren die AkteurInnen aber zu Marionetten eines vorgegebenen Plots und behandeln die Emotionen damit als Epiphänomen. In politiktheoretischer Perspektive sind Emotionen bei der Rekonstruktion der normativen, ordnungsschöpfenden Funktion der Revolutionen geradezu unerwünscht, weil sie die Geltung normativer Prinzipien mit der historisch-kontingenten (und oftmals auch gewaltsamen) Genese ihrer Artikulation kontaminieren. Phänomen und Begriff der Revolution stehen in einem merkwürdigen Spannungsverhältnis. Unter exemplarischem Rekurs auf die Französische Revolution hat dieser Beitrag die irreduzible Funktion der Emotionen bei der Entstehung politischer Ordnungen zum Thema.

Schlagworte

Revolutionsforschung, Handlungstheorie, Performativität, politische Ordnung, Emotionstheorie

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