Mikroanalysen zum Einfluss nonverbaler Kommunikationsformen auf Abstimmungspraktiken in politischen Gremien

Britta Baumgarten, Anne C. Weihe

Abstract

Gremien sind ein zentraler Ort zur Vorbereitung und Besiegelung von politischen Entscheidungen. Eine kürzlich veröffentlichte Methode der Gremienanalyse (Nullmeier et al. 2008) ermöglicht es, detaillierte Mikroanalysen solcher üblicherweise unter Anwesenheit der Beteiligten stattfindenden Prozesse der Verbindlichkeitsherstellung durchzuführen. Von dieser Basis ausgehend hinterfragt der vorliegende Beitrag anhand von Fallstudien in Gremien der Kommunal- und Landespolitik und der universitären Selbstverwaltung die Rolle von Abweichungen vom Idealtypus der formalisierten Abstimmung. Hierbei sind insbesondere nonverbale Äußerungen von Bedeutung. Die zugrunde gelegten Leitfragen lauten: Wie kompensieren die Gremiumsmitglieder im Falle unformalisierter Abstimmungen die Transparenz eines Abstimmungsrituals? Und welche Auswirkungen hat das Fehlen einer explizit geregelten Entscheidungsherstellung – etwa die moderierte Abstimmung per Handzeichen – auf die Beteiligungsmöglichkeiten der Gremienmitglieder an der Entscheidung? Anhand der im Beitrag beschriebenen vier Musterfälle für verschiedene Abstimmungspraktiken lässt sich zum einen zeigen, dass solche strukturellen Leerstellen insbesondere durch nonverbale Kommunikationsformen ausgefüllt bzw. gestaltet werden können; zum anderen, dass unformalisierte Beschlussfassungspraktiken auch spezifische Möglichkeiten der Durchsetzung von Einzelinteressen bergen. Die folgenden Ausführungen sollen daher auch dazu beitragen, Methodiken zur Mikroanalyse von Machtbeziehungen in politischen Gremien fortzuentwickeln.

Schlagworte

Gremien, Abstimmungspraktik, Videoanalyse, nonverbale Kommunikation, Partizipation, Mikroanalyse, Mehrpersoneninteraktion

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