Wiener „Türkengedächtnis“ im Wandel. Historische und anthropologische Perspektiven

Johann Heiss, Johannes Feichtinger

Abstract

Abwertende Konstrukte machten aus „Türken“ Inbegriffe verschiedener Feindvorstellungen, „Aufklärer“ genauso wie „Bolschewiken“ und „Nationalsozialisten“. Wir konzentrieren uns auf eine systematische Neubewertung der Funktionsweise dieser an „Türken“ erinnernden Denkmäler in Wien, oder genauer, auf das Nachzeichnen der Geschichte der Inbesitznahme des öffentlichen Raumes mithilfe dieser Monumente. Wir analysieren die Umstände der Errichtung der Türkendenkmale, ihre Neubewertung und die Feierlichkeiten, die vor allem an Jahrestagen stattfanden. Die Analyse übersteigt die Ebene der Aneignung eines Denkmals in der Vergangenheit und ermöglicht eine kritische, distanzierte Reflexion. Reflexivität ist dabei das wichtigste Mittel, eine unkritische Reproduktion von Bildern über „den Feind“ zu verhindern. Denkmale haben inklusive und exklusive Funktionen. Sie besitzen identitätsstiftende und -erhaltende Bedeutung. Ausgangspunkte sind neue theoretische Bezugssysteme, um die dynamischen Veränderungen zu erfassen, die für die Funktionsweisen von Denkmalen typisch sind. Die Bedeutung dieser Vorgangsweise liegt darin, die vergangene Funktion der Denkmale und damit auch sie selbst als Orientierung einem kritischen Verhalten in der Gegenwart zugänglich zu machen.

Schlagworte

„Türkendenkmale“, Wien, politische Instrumentalisierung, kollektives Gedächtnis

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